Fremde Freunde

(C) http://media.tumblr.com/tumblr_lex83fGaij1qdmbhz.jpg
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Jeder Freund war zuvor ein Fremder. Dieser Tage stecken Kleingeister wie im Mittelalter Häuser in Brand. Um Menschen zu verletzen und zu vertreiben, die ihnen zu fremd scheinen, als dass sie ihr eigenes Mensch-Sein in ihnen erkennen könnten. Die Angst vor der Fremde macht nicht nur blind und unmenschlich, sondern sie ist langfristig auch das selbstzerstörerischste Verhalten überhaupt.

So vieles, was uns einst fremd war, ist heute unser normales Leben. Weißt du noch als dir dein bester Freund noch ein Fremder war? Du wusstest nichts und das war okay. Und weil es okay war, konnten aus Fremden Bekannte werden und aus Bekannten wurden Freunde. Es liegt in der Natur unseres kleinen Verstandes, das Sichere dem Unsicheren vorzuziehen, aber in der Fremde liegt das Neue, und das Neue war schon immer das, was uns zu den fortschrittlichen Wesen gemacht hat, die wir heute sein dürfen. Das Neue war schon immer der Motor der Evolution.

Wer auch immer diese Welt gemacht hat, nicht er hat Grenzen zwischen Länder gezogen, sondern Menschen, die Angst vor der Fremde hatten. In einer Welt, in der Märkte, Kulturen und Informationen verschmilzen, ist das Annehmen der vielfältigen Fremde kein Entscheidung mehr von Pionieren und Entdeckern, sondern eine Notwendigkeit für das Fortbestehen der menschlichen Spezies. Waren Gemeinschaften früher noch einzelne Kulturkörper, die nichts vom Anderen wussten, so können wir heute nicht mehr leugnen, dass wir Teil eines Ganzen sind. Mit diesem Wissen obliegt uns die Verantwortung unsere individuelle Freiheit bestmöglich zum Wohle des Ganzen einzusetzen. Warum? Warum sollte uns kümmern, was jenseits unserer selbstgeschaffenen Grenzen vor sich geht?

© fotolia / Juan Gärtner
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Kollektiv wie individuell ist ein gesunder Körper einer, dessen Zellen alle ein Ziel verfolgen, nämlich das Wohlergehen das gesamten Körpers zu sichern mit all seinen verschiedenen Organen und Funktionen. Die Krebszelle hingegen ist jene, die sich weigert mit ihrem Körper zusammen zu arbeiten. Sie will ihr eigenes Ding machen und bildet ihre eigene Masse, die nur ihr eigenes Wohl und ihr Fortbestehen im Sinn hat, nicht aber das Wohl des gesamten Körpers. Eine Masse an Krebszellen glaubt also, sie wäre ihr eigener Körper und zerstört damit ironischerweise den eigentlichen Körper, der sie am Leben erhält. Die Krebszelle hält sozusagen für fremd, was letztlich lebenserhaltend für sie ist. Sehen wir die Welt nun als Körper wird deutlich, welchen Schaden wir anrichten, wenn wir weiterhin Mauern errichten, Kontrolle der Menschlichkeit vorziehen und nur unsere eigene Masse im Blick haben. Wir brauchen die Fremde, denn erst wenn wir erkennen, dass wir zwar verschiedene Menschen, aber eine Menschheit sind, kann Heilung stattfinden. Nur dann kann die Menschheit mit Hilfe simpelster Menschlichkeit einzelner Menschen überleben. Wahre Einheit bedeutet nicht unbedingt das Schätzen und Schaffen von Gemeinsamkeiten, also das gleich werden, sondern die Akzeptanz unserer Unterschiede, also die Annahme des Neuen, an dem wir wachsen dürfen. Dann werden wir nicht gleich, aber wir bauen Brücken, die uns erkennen lassen, wer wir wirklich sind. Jeder Freund war einst ein Fremder und jeder Fremde ist vielleicht ein Freund, der gefunden werden will.

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