Die Fensteroma

Ein hippes Gedicht über alte Herren und Damen?

Was interessieren mich jene, die vor uns kamen?

Eine bei uns im Ort ist die Oma ohne Namen,

Wir kennen Sie nur aus ihrem Fensterrahmen,

Sie lehnt ständig auf der Bank und schaut raus ins lebendige Treiben,

Ich frage mich, welche Geschichten wir in ihrem Kopf wohl schreiben.

Erinnern wir sie an ihre jungen Jahre
oder sind wir die bemitleidenswerte „Jugend von Heute“?

Sieht sie vielleicht das Gute und Wahre,
Oder denkt sie sich „Das sind alles böse Leute.“?

So schaut sie in die laute schnelle Welt hinaus,

Lehnt im Fensterrahmen Tag ein Tag aus.

Dabei hat SIE doch so viele Welten gesehen.

Eigentlich sollte ich an meinem Fenster stehen.

Hat sie doch in die Fenster geblickt, die mir noch fehlen,

Aber keinen, der sie bittet, diese Geschichten zu erzählen.

Zu erzählen, wie sie sich gegen Konventionen wehrte,

Zu erzählen, wie sie ihr Handwerk lehrte,

Zu erzählen, wie man das Leben auch mal langsam lebt,

Zu erzählen, wie man hinfällt, aufsteht und dann weitergeht,

Zu erzählen, wie einsam jetzt ihr Leben ist, was sie vermisst,

seit ihr Mann und bester Freund verstorben ist.

Heute bleib ich mal unter ihrem Fenster stehen, winke zu ihr rauf und wünsch einen Guten Tag,

Vielleicht geht das Fenster zu, aber vielleicht fragt sie auch, ob ich zum Kaffee reinkommen mag.

So oft übersehe ich alte Herren und alte Damen,

Fragen wir die Fenster Omas doch mal nach ihrem Namen,

Lassen wir diese erfahrenen Entdecker berichten,

Fragen wir die Fenster Omas doch mal nach ihren Geschichten.

Stehen wir doch mal selbst im Fensterrahmen,

Und entdecken die Abenteuer, die vor uns kamen.

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