Lebe voll, hilfloser Helfer…

(illustration: Jav Rubin)
(illustration: Javier Rubín Grassa)

ahoiHilfst du gern anderen Menschen? Ich schon. Es bereitet mir Freude für andere von Wert zu sein. Aber was bin ich mir in diesem Austausch wert? Mir begegnen oft herzliche, wohlmeinende Leute, die voller Tatendrang sind, Familienmitgliedern zu helfen, Freunde zu trösten und Bekannte zu unterstützen. Doch oft stell ich dann die Frage „Bist du auch für dich da?“ Viel zu oft wollen wir abgeben, was wir eigentlich garnicht übrig haben; unser eigenes Glas ist leer und trotzdem

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Sei mal ein Niemand…

(by Jav Rubin)
(Illustration: Javier Rubín Grassa )

ahoi

Hat dir auch schonmal jemand prophezeit, wer oder was du werden solltest? Wenn uns eine gute Freundin mit einem berührenden Ständchen von ihren Gesangqualitäten überzeugt, dann würden wir sie für gewöhnlich mit leuchtenden Augen anschauen und ihr raten: „Du solltest Sängerin werden!“ – Sie sollte Sängerin werden?! – Was war sie, als sie gerade eben für uns gesungen hat? Eine Jukebox? Glauben wir tatsächlich, die Welt da draußen, Dieter Bohlen oder sonst wer müsste darüber entscheiden, ob unsere talentierte Freundin sich „Sängerin“ nennen darf.

Ich selbst fühlte mich oftmals wie ein großes Fragezeichen, das vor anderen so tun muss, als sei es ein Ausrufezeichen. Das macht die Zwanziger wohl aus. Identitätsfragen; was wird mich in dieser Welt mal ausmachen? Aber auch die Außenwelt würde das gern klar definiert haben. Denn dann ist man brav berechenbar. Einen Jemand kann man besser kontrollieren, als einen selbsternannten Niemand. Aber wo hat da Neugier ihren Platz? Wo das Mutige Ausprobieren? Und wo begegnen wir da noch dem Mysterium im Werden?

Ich nutze gerne soziale Medien und bin sehr dankbar, dass es sie gibt. Gleichwohl lässt sich nicht leugnen, dass Likes, Follower und Selfies einen Narzissmus befeuert haben, der uns, rein menschlich, dann doch oftmals im Wege steht. Wir suchen im Außen eine Identität, die letztlich

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Fremde Freunde

(C) http://media.tumblr.com/tumblr_lex83fGaij1qdmbhz.jpg
(C) http://media.tumblr.com/tumblr_lex83fGaij1qdmbhz.jpg

Jeder Freund war zuvor ein Fremder. Dieser Tage stecken Kleingeister wie im Mittelalter Häuser in Brand. Um Menschen zu verletzen und zu vertreiben, die ihnen zu fremd scheinen, als dass sie ihr eigenes Mensch-Sein in ihnen erkennen könnten. Die Angst vor der Fremde macht nicht nur blind und unmenschlich, sondern sie ist langfristig auch das selbstzerstörerischste Verhalten überhaupt.

So vieles, was uns einst fremd war, ist heute unser normales Leben. Weißt du noch als dir dein bester Freund noch ein Fremder war? Du wusstest nichts und das war okay. Und weil es okay war, konnten aus Fremden Bekannte werden und aus Bekannten wurden Freunde. Es liegt in der Natur unseres kleinen Verstandes, das Sichere dem Unsicheren vorzuziehen, aber in der Fremde liegt das Neue, und das Neue war schon immer das, was uns zu den fortschrittlichen Wesen gemacht hat, die wir heute sein dürfen. Das Neue war schon immer

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Aus dem Leben gerankt.

„Meinung ist wirklich die niedrigste Form des menschlichen Wissens.“ schreibt ein Typ namens Bill Bullard. „Sie erfordert keine Verantwortlichkeit, kein Verständnis.“ Eben diese Verantwortungslosigkeit, verdirbt mir gerade meinen Quinoa-Salat. Vor mir die Salatschüssel, mein Smartphone, Laptop und eine Ausgabe von „Vegan für blutige Anfänger“. Alles natürlich in Instagram-tauglicher Belichtung. Ich schaue über dieses zeitgeistliche Tischgedeck hinweg auf den soeben eingeschalteten Fernseher: „Vier Hochzeiten und eine Traumreise“ läuft, eine Hochzeitsdokusoap, in der Bräute gegenseitig den großen Tag der jeweils anderen auseinanderkritisieren. Deichkind hatten vielleicht doch recht: lieber Konkurrenz als Friends (sogar auf der eigenen Hochzeit!) Ich schalte um: Castingshows. Befreit von jeder Würde, mit demütig

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