Immer noch ein Wunder

Wir haben solche Ehrfurcht vor der Entstehung des Lebens, dass wir manchmal vergessen, dass wir selbst noch immer Teil dieses Phänomens sind. Wenn in Familie oder Freundeskreis ein Neugeborenes präsentiert wird, sagen viele „Das ist ja schon ein Wunder!“ oder „Wow, da ist das kleine Wunder!“ Klar, so ein kleiner Neuankömmling ist etwas besonderes, gleichwohl leuchtet dieses Wunder, das wir in Schwangerschaft und Geburt projizieren, auch in uns, ob wir nun 18 oder 80 sind. Das Bewunderte steht immer auch für 

Weiterlesen

Lichtwärts

Verloren in einer lauten Welt, gewinnen kann nur wer auch mal fällt.

Mach dich nicht kleiner und tu nicht so groß. Lass mal los.

Versuch nicht alles alleine hinzukriegen. Lass dich mal fallen und du wirst fliegen.

Bist geflogen damals, als noch zählte, was DU von dir hältst. Egal wie oft sie gelogen haben, geh und vertrau dir mal wieder selbst.

Lass die Stimmen reden, und geh mal wieder fühlen. Steh in der Mitte, statt zwischen den Stühlen.

Manchmal ist er weit; der Weg vom Kopf zurück ins Herz.

Manchmal ist er weit, aber die Reise ist’s wert.

Brücken hinter dir werden abgebrannt und vor dir sind sie im Bau.

Zaghafte Schritte und dann wird gerannt.

Kein da hinten mehr, nur noch ein lichtwärts voran.

Dann lacht das Mädchen in der Frau,

dann lacht der Junge im Mann.

Helle Kinderstimmen im Spiel,

der Rückenwind von Ziel zu Ziel,

zum Glücklich Sein braucht’s nicht viel.

Renn, Junge, renn.

Renn, Mädchen, renn.

Brenn, mein Licht, brenn.

Gewinnen kann nur wer auch mal fällt,

lehn dich ins Leben,

so gewinnt man die Welt.

by Javier Rubin Grassa
(illustration: Javier Rubín Grassa)

Weiterlesen

Sei mal ein Niemand…

(by Jav Rubin)
(Illustration: Javier Rubín Grassa )

ahoi

Hat dir auch schonmal jemand prophezeit, wer oder was du werden solltest? Wenn uns eine gute Freundin mit einem berührenden Ständchen von ihren Gesangqualitäten überzeugt, dann würden wir sie für gewöhnlich mit leuchtenden Augen anschauen und ihr raten: „Du solltest Sängerin werden!“ – Sie sollte Sängerin werden?! – Was war sie, als sie gerade eben für uns gesungen hat? Eine Jukebox? Glauben wir tatsächlich, die Welt da draußen, Dieter Bohlen oder sonst wer müsste darüber entscheiden, ob unsere talentierte Freundin sich „Sängerin“ nennen darf.

Ich selbst fühlte mich oftmals wie ein großes Fragezeichen, das vor anderen so tun muss, als sei es ein Ausrufezeichen. Das macht die Zwanziger wohl aus. Identitätsfragen; was wird mich in dieser Welt mal ausmachen? Aber auch die Außenwelt würde das gern klar definiert haben. Denn dann ist man brav berechenbar. Einen Jemand kann man besser kontrollieren, als einen selbsternannten Niemand. Aber wo hat da Neugier ihren Platz? Wo das Mutige Ausprobieren? Und wo begegnen wir da noch dem Mysterium im Werden?

Ich nutze gerne soziale Medien und bin sehr dankbar, dass es sie gibt. Gleichwohl lässt sich nicht leugnen, dass Likes, Follower und Selfies einen Narzissmus befeuert haben, der uns, rein menschlich, dann doch oftmals im Wege steht. Wir suchen im Außen eine Identität, die letztlich

Weiterlesen

Partycrash

(illustration: Jav Rubin)
(illustration: Javier Rubín Grassa)

Kind und Jugend stillgelegt wie eine Fabrik, wird ungenutzter Raum jetzt zum Place To Be. Feierwütige Gäste halten Einzug in die kalte Halle und wollen Party wie immer und noch nie.

Ohne Perspektive und Agenda baden sie im zerfärbten Licht und konventionslosem Krach. Kein Morgen bestimmt den Rhythmus und das Lied, alles lässt sich treiben vom melodischen Wellengang im Beat. Sie wollen erstmal keine Antworten, nur vergessen, was sie nicht wissen. Leere, die sich mit Tänzen füllt, die schon morgen wieder vergessen sind. Ins Vakuum zwischen Alt und Neu strömt alles Zerstreute, Partikel, Fragmente, was auch immer ziellos sucht ohne Anfang und Ende. Jeder Schritt wirbelt es auf, das für und wieder, Glitzer und Staub.

Die bunten Birnen durchgebrannt, die Stimmen heiser gejubelt, und die Schuhe völlig durchgetanzt. Die Party verlassen schafft nicht jeder. Grelles Morgenlicht schimmert durch den Schmutz der hohen Milchglasscheiben. Erst noch vorwurfsvoll, dann wie geöffnete Arme. So unsicher, so erschreckend echt wird alles im Licht des Tages. Müde Augen blinzeln ins beißende Licht. Klamotten riechen nach Rauch und Schweiß. Die ersten Vogelstimmen erobern die Stadt zurück und da is er wieder, der mahnende Traum vom Glück. Funkelten sie im Dunkeln noch wie Diamanten sind die Scherben der Feierei nur noch gebrochene Gebilde auf kaltem Asphalt.

Aber diese Leere, sie war gut zu mir. In ihrem Nichts durfte ich ein träumender Niemand sein. Und nur ein träumender Niemand erkennt sein Jemand, wenn er vor ihm steht. Wie kaputte Freunde ließen wir uns sein, was wir waren, frei von Sorgen, glitzernd gebrochen, zwischen gestern und morgen. Hier trennen sich unsere Wege nun. Mach es gut, Freund. Es ist Zeit für Abschied, für ein gänzlich neues Lied. Ein Lied das meinen Tanz nicht länger treibt, sondern sich für meinen Tanz erst schreibt.

Weiterlesen

Segel Setzen

Es ist Zeit, Hammer und Hobel niederzulegen, es ist Zeit sich ganz dem Winde hinzugeben,

Es hat die Zeit gegeben ein Schiff zu bauen, es kommt nun die Zeit seinem Bau zu trauen, den knarzenden Dielen und wankenden Masten, den Flächen der Paddel, dem Abwurf der Lasten,

Es ist Zeit, Hammer und Hobel niederzulegen, es ist Zeit sich ganz dem Winde hinzugeben.

Das grad gebaute Schiff, wie es trifft auf die See, seinen Hafen verlässt, das was ich nun versteh, Der Kiel schneidet erstmals Gewässer in zwei, sticht ein in das Glatte, schiebt Wellen vorbei,

Der Rumpf taucht ein in die Wogen der Welt, in die tobenden Schäume vom träumenden Held.

(illustration: Jav Rubin)
(illustration: Javier Rubín Grassa)

Weiterlesen